Welcher Jugendliche träumt nicht davon, seinen Superstar backstage vor der eigentlichen Show treffen zu dürfen?
Nicht nur diese Frage war am Donnerstag Abend vor den Osterferien im Lichthof des Gymnasiums Plochingen zu klären. Der Unterstufenchor mit Solisten und Band unter der musikalischen Leitung von Beate Beck stellvertretend für ihre krankheitsbedingt verhinderte Kollegin Maike Janotta, lud zur Aufführung des Musicals „Coco Superstar….unsere Schule steht Kopf“ in den frisch renovierten Hauptbau ein. Die Stuhlreihen genügten nicht, um sämtlichen Eltern, Geschwistern, Freunden oder Lehrern während dieser gut einstündigen Aufführung einen Sitzplatz direkt vor der Hauptbühne zu bieten, sodass einige Interessierte den Chor mit seinen rund 50 SängerInnen aus den Klassen 5-7.1, die 4-köpfige Schülerband sowie die Schauspielenden auf einer zweiten Bühne von den Galerien aus den darüber liegenden Stockwerken verfolgten.
Mit „Let’s rock“ starteten die SängerInnen fetzig in den Abend, begleitet am Klavier von Musiklehrer Burkhard Wolf. Auf der Suche nach einer geeigneten Person für den Backstagepass zum Coco-Konzert war schnell klar, dass nur der Beste als Vertreter der Schule ausgewählt werden sollte, doch wie konnte dieser ermittelt werden?
Im 3. Song „Ich entscheide selbst“ kamen daher wahrhaft philosophische Fragen auf den Tisch: „Wer darf über wen entscheiden? Wer bestimmt, was wichtig ist? Was ist eigentlich gerecht? Ist die Wahrheit immer echt?“ Wenn darauf selbst die Direktorin und Lehrer keine Antworten wissen, müssen die Schüler diese wohl selbst herausfinden!
So formierte sich im Rap „Wir wollen’s wissen“ eine naturwissenschaftlich interessierte Gruppe auf der Suche nach dem perfekten Repräsentanten der Schule. Ihr Fazit: Alles logisch – alles klar – alles wunderbar.
Die Sprachgenies machten mit englischen, französischen, spanischen, türkischen, griechischen, italienischen, schwedischen und russischen Textzeilen im melodisch vorgetragenen Song „Hello, welcome, bonjour“ klar, dass nur sie verstehen können, was die Welt erzählt. Sprachbegabte am Gymnasium Plochingen haben im Übrigen die Möglichkeit, die drei erstgenannten Sprachen zu erlernen.
Das sportliche Team, begleitet von tanzenden Cheerleadern (Choreographie: Sportlehrerin Tanja Kull), demonstrierte mit dem Titel „1, 2, 3 - So sehen Sieger aus“ eindrücklich, dass sie – angetrieben vom gleichaltrigen Schlagzeuger – total motiviert sind, für ihre Mannschaft alles zu geben und diese wiederum immer für sie da ist.
Zwischen den musikalischen Vorträgen störte der Hausmeister Tokhan – welch’ gelungener Name in Anspielung an die aktuellen Hausmeister des Gymnasiums, Herr Tok und Herr Krauthan – das szenische Spiel, da er Kabel verlegen und Gedenktafeln anbringen wollte, wobei er sich an die Zeitvorgaben seines Arbeitsplanes hielt, was zu heiterem Lachen im Publikum führte.
Die Künstlergruppe warb in ihrer ruhigen, getragenen Balade für Empathie und „Fantasie“ – so auch deren Titel. „Wenn ich zeichne, dann brauch’ ich keine Worte, jeder kann’s verstehen. Wenn ich eine Rolle spiel, spür’ ich, wie ein anderer denkt. Wenn ich singe ist’s, als ob mein Fühlen sich nach Tönen sehnt.“ Sind es nicht auch gerade die künstlerischen Fächer im Schulalltag, die schlummernde Talente wach küssen? Einige junge schauspielerische und musikalische Talente des Gymnasiums Plochingen waren ganz sicher an diesem Abend zu erleben.
Obwohl sich im Verlauf des Musicals zwischenzeitlich herauskristallisiert hat, dass in jedem Einzelnen von uns ein Talent steckt, steht die Entscheidung, wer das Casting für den Backstagepass gewinnt, nach wie vor aus, und sie wird auch nie fallen. Der Hausmeister hat dank seiner Beziehungen die Live-Übertragung des Coco-Konzerts im Hintergrund eingefädelt und überdies noch Geburtstag, sodass am Ende eine ultimative „Hausmeistergeburtstagscocoparty“ für und mit allen gefeiert wird, anstatt einen einzelnen Auserwählten zu einem Backstage zu schicken.
Im schwungvollen Finale „Kommt, lasst uns feiern“ taten dies die Zuhörer und Musiker gemeinsam in bester Stimmung. Der tosende Applaus zum Abschluss sorgte selbstverständlich noch für eine Zugabe. Das Publikum war beeindruckt von der musikalischen Ausgestaltung des Stückes sowie der Textsicherheit der Sänger und Schauspieler, die komplett auswendig vorgetragen und agiert haben, und dies bei durchaus beachtlichen Textlängen für einige Solisten. Sibylle J. Metzger hatte das szenische Spiel perfekt auf die Akteure und Gegebenheiten am Gymnasium Plochingen angepasst, sodass der Schulleiter Heiko Schweigert in seinen abschließenden Dankesworten schmunzelnd von einem „Einblick in unseren Schulalltag“ sprach, in dem trotz und gerade wegen aller Unterschiedlichkeiten jeder Einzelne ein wichtiger Teil dieser besonderen Schulgemeinschaft ist. Die highend Licht- und Tontechnik konnte dank der finanziellen Unterstützung durch den Förderverein im Zuge des Umbaus erneuert und nun erstmalig von einem 10-köpfigen Schüler-Team professionell genutzt werden.
Und somit stellte sich ganz am Ende dieses wunderbar philosophischen Musicals die allerletzte Frage dieses kurzweiligen Abends für Groß und Klein: was war wohl in den kleinen Tütchen drin, die den Sängerinnen von den Musiklehrerinnen auf die Bühne geworfen wurden?
Dominique Burghart


